• 04Dez

    Eigene Designer Toys herstellen – TEIL III

     

    III. Der Prototyp / Das „Positiv“

    Bevor man eine Figur überhaupt gießen kann muss man erst einmal ein „Positiv“ erstellen, welches man abformen kann. Ich dokumentiere hier eine Mischung aus zwei verschiedenen Prototypen dafür, da ich erstmal ein paar experimentelle Versuche brauchte um etwas brauchbares herauszubekommen.
    Alles begann mit mehreren Skizzen. Diese nahm ich auch als Vorbild für meine plastischen Prototypen. Unten sind ein paar davon zu sehen. Bei der zweiten Skizze machte ich zudem Größenangaben. Ich kann dies im Nachhinein nur empfehlen, da ich es weitaus einfacher fand, etwas nach sich gesetzten Vorgaben zu erstellen, als völlig frei aus dem Kopf.

    Dann begann ich vorerst mit dem Plastilin und versuchte daraus den Prototypen zu formen. Das funktionierte auch eigentlich relativ gut. Das Problem war allerdings, dass diese Masse nicht aushärtet sondern je nach Temeperatur härter bzw. weicher wird (warm=weich). So war es sehr schwer wirklich glatte Rundungen hinzubekommen, weil es sehr stark schmierte. Auch bei den Details hatte ich meine Schwierigkeiten, da sich das Material -angewärmt durch meine Finger- stetig nachformte. So verharrte nichts wirklich da, wo ich es haben wollte.

    Schließlich beschloss ich es -wie schon in „Material“ kurz angeschnitten- mit dem Keramiplast zu versuchen. Das verhält sich so ähnlich wie Ton und härtet nach einer Weile aus. Danach kann man es dann schleifen, feilen, bohren etc.

    Deckt Teile des Materials an denen ihr gerade nicht arbeitet mit einem feuchten Tuch (Küchenrolle, Handtuch etc.) ab. So müsst ihr nicht unter Zeitdruck arbeitet, da das Material bereits nach etwa 10 min beginnt auszuhärten (je nach Temepratur und Luftfeuchte).

    a. Die Grundformen modellieren

    Im ersten Versuch formte ich die Grundform völlig frei nach dem Vorbild der Skizzen. Ich schnitt mit einem alten Küchenmesser einen Quader aus dem Keramiplastblock und schabte mit dem Holzmodellierwerkzeug das „Fenster“ aus diesem heraus. Indem ich die Spitze des Werkzeugs anfeuchtete, konnte ich alles noch etwas glatt streichen. Doch wie auf dem ersten Bild unten zu sehen, geriet so alles etwas krumm und schief. Trotzdem konnte ich die Grundform durch schleifen und feilen noch ausgleichen, aber dazu später mehr.
    Während diesem Arbeitsschritts überlegte ich, ob es nicht sinnvoller wäre sich Schablonen mit Maßen anzufertigen um genauer arbeiten zu können. Das tat ich beim zweiten Versuch dann auch.

    Nachdem die Grundform modelliert wurde, musste ich  das Ganze erstmal trocknen lassen. Ich habe zwei Möglichkeiten der Beschleunigung dieses Vorgangs ausprobiert. Den ersten Prototypen hab ich auf der Heizung trocknen lassen. Das dauerte dann etwa 45min -bis alles vollständig trocken war (Ist natürlich auch abhängig davon wie dick man gearbeitet hat). Und den Zweiten hab ich bei 130°C in den Backofen gepackt (Umluft, Mittlere Schiene :D ) Das dauerte dann etwa 15 min.

    Allerdings ist dabei Vorsicht geboten. Wenn die Form sehr dick ist kann sie im Ofen aufplatzen! An der Luft dauert der Trockenvorgang im Durchsschnitt etwa 4-5 Stunden -bis alles voll ausgehärtet ist (Auch hier je nach Luftfeuchte und Temperatur). Und das Aushärten ist wichtig auch wenn ich persönlich es immer nicht abwarten kann bei sowas. Aber glaubt mir nichts ist ärgerlicher als eine versaute Grundform, nur weil man unbedingt sofort weiter arbeiten wollte!

    b. Schleifen

    Nach dem Trockenvorgang habe ich begonnen grob mit dem Schmirgelpapier über die Form zu streichen bis alle größeren Unebenheiten beseitigt waren. Den Feinschliff machte ich Vorsichtig mit kleinen Stückchen des Papiers und einer „Feile“ (Da ich keine zur Hand hatte bastelte ich eine aus „Gaffer-Tape“, einem alten Filzstift und dem Schleifpapier; siehe unten). Am Ende sah das Ergebnis bei mir so aus:

     

    Bei der Eis-Figur ist der Stiel unten hier schon dran. Das ist meiner Ungeduld geschuldet und man sollte solche Teile erst im folgenden Schritt anfügen, da er sonst ständig abfällt und dabei die andere Grundform beschädigt.

    c. Teile zusammenfügen und Nachbessern

    Nachdem der Schliff fertig war, habe ich die Figurenteile mit Sekundenkleber zusammengeklebt, und mit Sprühfarbe lackiert um Unebenheiten sichtbar zu machen, sowie das Gesamtobjekt nachzuglätten. Die leicht raue Struktur des Keramiplast sollte damit ebenfalls überdeckt werden.

    Die Farbe ist hierbei rein zufällig gewählt, allerdings sollte sie möglichst hell sein, um die Schattierungen der Unebenheiten noch wahrnehmen zu können.

    Die „Stecker“ am Kopf der ersten Figur bestehen übrigends aus Reißzwecken. Ich habe ihren Kopf mit einer kleinen Säge abgetrennt, dann mit einem Handbohrer ein Loch mittig  in die daraus entstandene Fläche gebohrt und schließlich ein kleines zugeschnittenes Stück eines Zahnstocher reingesteckt. Nur mal als Beispiel wofür der Handbohrer nützlich sein kann.

    Auf dem zweiten Bild lässt sich jetzt sehr schön erkennen, wo noch Unebenheiten liegen. Diese und die Lücken zwischen Körper und Stiel habe ich dann mit dem Kneadite („Green Stuff“) ausgestrichen um dann nochmal alles nachschleifen zu können. Was ein großer Fehler war! Erstens trocknet das Zeug ewig (dazu gleich mehr) und zweitens lässt es sich nicht sehr gut schleifen (im Vergleich zum Keramiplast). Würde ich es jetzt nochmal machen, würde ich auch bei diesem Schritt Keramiplast verwenden, da es sich besser streichen lässt und auch besser schleifen. Trotzdem habe ich das Ganze trocknen lassen und dann nachgeschliffen. Für den Aufwand ein mäßiges aber im Allgemeinen trotzdem ein gutes Ergebnis denke ich (Bilder unten):

    Zum Arbeiten mit „Green Stuff“: beide Massen (blau und gelb) 1:1 ineinander Kneten, bis eine gleichmäßig grüne Masse entsteht , die die Konsistenz von warmer Knete haben sollte. Dann lässt es sich auch so ähnlich verarbeiten. Nach etwa einer halben Stunden begann das Material bei mir auszuhärten. Zum vollständigen trocknen braucht es  aber bis zu 24 Stunden. Und auch hier gilt GEDULD! Backofen und Heizung sollte man dafür nicht hinzuziehen. Das bringt nichts habe ich festgestellt. Das Zeug trocknet über die zweikomponentige chemische Verbindung.

    d. Die Details

    Das Gesicht der Figur habe ich ebenfalls mit „Green Stuff“ gemacht. Und da ist das Zeug wirklich super! Ihr solltet auf einer glatten Oberfläche damit arbeiten, damit keine unschönen Abdrücke von Strukturen entstehen. Ich habe einfach so ein Metall-Case von Bleisstiften genommen. Für die Augen habe ich eine kleine Kugel gerollt, die ich dann mit  der Seite einer Messerklinge plattgedrückt habe. Mit einem Skalpell habe ich diese schließlich in 2 Hälften getrennt. Der Mund und die brauen wurden ausgerollt. Dann hab ich das ganze trocknen gelassen (Und zwar tatsächlich 24 Stunden…ich bin da fast ein bisschen Stolz auf mich :D) und mit Sekundenkleber auf den Körper aufgebracht. Für die Tropfen unten am Eisstiel habe ich eine dünne Platte „Green Stuff“ ausgerollt und später mit einem dünnen wasserfesten Stift die Form aufgemalt und das Ganze mit einem Skalpell ausgeschnitten. Schließlich wurde die Figur noch einmal lackiert.

    Damit war der Prototyp für mich fertig und abgussbereit. Wie das vonstatten geht, seht ihr im nächsten Teil.

    Was habt ihr für Erfahrungen mit Green Stuff oder vielleicht auch Super Sculpey gemacht?

Diskussion - 2 Beiträge

  1. 7. April 2010 um 08:41 Uhr

    hey,
    dein tutorial is echt ziemlich gut ^^bin grade am gießen, habe mir auch das silikon von kauPo bestellt, das kilo hat aber nichtmal für die hälfte der form gereicht…müsste man eigentlich schon fast im 10l kanister bestellen, wenns nicht so teuer wäre…
    hab beim suchen auch ein ganz gutes material zum modellieren gefunden, allerdings noch nicht ausprobiert:
    http://www.modulor.de/shop/oxid.php/sid/8e93bf8b97ac4bbceb0af6672134ebda/cl/details/cnid/OAB/anid/OABD

    hab vorher mit fimo und fugenspachtel gearbeitet, der ist bloß ziemlich brüchig, keramiplast war mit zu faserig…hielt nie richtig…und teurer als der 500g block fimo ist das zeug auch nicht…der laden hat ja auch dieses biresin g27 das tesse benutzt, bin sehr angetan
    werds mal ausprobieren und lagebericht erstatten ^^

    müsste mehr solche tutorials geben, sehr inspirierend :)

    • 7. April 2010 um 23:46 Uhr

      @alexa
      Mich würde im speziellen auch das Ergebnis interessieren. Wäre super wenn du es mir dann mal zumailen würdest: culture_industries[AT]dropser.de

      Gespannt wäre ich auch auf den Bericht über das Material von Tesse. Ich muss dir bei Keramiplast echt recht geben. Es gleicht in Sachen Konsistenz eher Ton. Es ist regelrecht sandig. Vorteilhaft ist allerdings die gute “Schleifbarkeit”. “Super Sculpey” soll übrigends auch sehr gut sein…Das werde ich bei Zeiten mal ausprobieren.

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